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Römertage 2007 in Welzheim

Plakat (zum Downloaden)

Flyer (zum Downloaden)

Berichte Welzheimer Zeitung 25. + 26. Juni 2007

Der Besuch im Ost-Kastell wurde zu einem Erlebnis für alle Sinne

 

Über ein Jahr haben sich Händler, Vereine und Traditionsgruppen auf die zweiten Welzheimer Römertage vorbereitet. Wer am Samstag seinen Obolus entrichtet und den Torbogen des Kastells durchschreitet, der landet geradewegs im Römischen Reich.

Die Eröffnungszeremonie morgens um 11 Uhr ist bereits ganz großes Theater. Bürgermeister Hermann Holzner - der zuvor mit römischen Soldaten, Priesterinnen, Germanen und Kelten durch die Stadt paradiert und im Kastell eingezogen ist - begrüßt in gravitätischem Latein zahlreiche Bürgermeister der umliegenden Städte, illustre Gäste aus den inländischen und ausländischen Partnerstädten, den Landrat, zwei veritable Bundestagsabgeordnete und nicht zuletzt das elende, steuerzahlende Volk („miserabilis contributionis plebs“).

 

Zeltstadt im Ostkastell

Jeder angesprochene Gast erwidert artig und ebenfalls lateinisch mit einem eigenen Grußwort, und ein römischer Priester zelebriert den religiösen Segen dazu. Nachdem die offiziellen Präliminarien solcherart erledigt sind, stürzt sich der Plebs mitten hinein ins römische Leben . . . und zwar mit allen Sinnen.

Es wehen die unterschiedlichsten Gerüche und Düfte durchs Areal

Vom Handrücken steigt ein würziges Aroma auf. Nelken? Sandelholz? „Zimt!“, sagt der Experte am antiken Parfumstand und lächelt weise. So etwas trug der römische Herr, erklärt er, und die römische Dame tupfte sich Salben mit Rosenöl auf die Haut. Weihrauch und Mastix hüllten die römischen Weihezeremonien in duftenden Rauch.

wild ging es her beim Sturm aufs Kastelltor

Überall wird gleichzeitig etwas vorgeführt; die perfekt kostümierten Römer, Gallier und Kelten sind teilweise von weither angereist. Ein bayerischer „Legionär“ erklärt die Kampftechnik der Römer, die über dem körperhohen Schild mit ihrem Gladius (dem römischen Kurzschwert) zustachen - denn einen langwierigen Zweikampf hätten sie mit ihrer Armierung wohl kaum überlebt. Eine Kohorte aus dem österreichischen Pram zeigt, wie ein Katapult abgeschossen wird, und überhaupt wird für die Kinder an allen Ecken und Enden etwas geboten.  

So enden die Germanen, die das Ostkastell angreifen !

An einem Wurfstand dürfen die Kleinen sich mit Zaubertrank stärken und dann mit Stofffischen nach Julius Cäsar werfen, und ein Münzenmacher zeigt einem Jungen im Camouflage-Outfit geduldig, wie man eine Zinnscheibe flach klopft, bevor man sie in den Prägestock spannt. Im Kelten- und Gallierlager lernen sie, wie man Kupfer treibt und können zuschauen, wie eine Frau mit Birkenblättern Wollstränge zu einem leuchtenden Gelb färbt.

Kulinarische Angebote sind weitere Pluspunkte

Daneben blubbert in einem Kessel ein wohlriechender alamanischer Eintopf, den man sich für zwei Euro als Mittagessen in einen Teller schöpfen lassen kann. Überhaupt ist das Essen einer der unzähligen Pluspunkte dieser liebevoll vorbereiteten und penibel organisierten Römertage. Im großen Speisezelt neben der Bühne sucht man Currywurst und Pommes vergebens. Stattdessen gibt es köstliche Gladiatorenburger im Fladenbrot und Knobelix-Würstchen, und der Salzkuchen hat bestimmt auch schon der römischen Besatzung geschmeckt.

 

An einem Stand werden Togen und Mäntel verkauft, und nebenan beim Tonsor, dem römischen Friseur, erweist sich, warum überall kleine, weibliche Besucherinnen mit ausgesucht hübschen Haartrachten herumspazieren. Zwei Frauen türmen komplizierte Zopfgebilde auf gesenkte Mädchenköpfe, und vielleicht haben sich auch die Priesterinnen der Venus, die sich auf der Bühne mit wehenden Schleiern zu dramatischer Musik wiegen, dort stylen lassen.

Kampfübungen am Abend in der Arena

Abends ab 20 Uhr wird die römische Geschichte um den Limes herum noch einmal mit Kampfübungen, Vorträgen und Waffendemonstrationen erzählt, als historisches „Spektakulum“. Das ist akribisch geplant und sehr lehrreich, aber die schönste Lektion haben die Besucher schon tagsüber gelernt. Mit einem Tonbecher „Mulsum“ (römischer Würzwein mit Pfeffer, Honig und gerösteten Dattelkernen) auf einer Bank zu sitzen, während nebenan ein Zenturio in rüdem Latein einen Soldaten zusammenfaltet, weil der nicht anständig in Reih und Glied marschiert, das ist römisches Leben pur.

Besser kann man Geschichte nicht vermitteln, und genau diese liebevolle Originalität ist es, die Besucher nach Welzheim zu locken vermag - hoffentlich bald wieder, bei den nächsten Römertagen der Stadt und der Arbeitsgemeinschaft Stadtmarketing.

 

Zwischen 10 000 und 12 000 Besucher kamen ins Ost-Kastell

Welzheimer Römertage: Viele positive Rückmeldungen von Besuchern und den beteiligten Gruppen / Bürgermeister Holzner und Beigeordneter Kasian danken den Helfern

Die Bilanz nach zwei Festtagen fällt rundum positiv aus.

Welzheim (stü). Schätzungsweise 10 000 bis 12 000 Besucher sind am Wochenende zu den Welzheimer Römertagen gekommen.  

dichtes Gedränge zur Arena

Genaue Zahlen, so Beigeordneter Reinhold Kasian auf Anfrage, liegen aber noch nicht vor. Derzeit ist die Stadtverwaltung dabei, die Zahlen auszuwerten. Das dauert allerdings einige Tage, weil die Eintrittskarten keine laufenden Nummern haben. „Von Besuchern und den beteiligten Gruppen kamen sehr viel positive Rückmeldungen“, so Kasian weiter. Am Samstag kam mehr das „Fachpublikum“, am Sonntag die breite Bevölkerung.

In einer gemeinsamen Mitteilung von gestern bedanken sich der Welzheimer Bürgermeister Hermann Holzner und Beigeordneter Reinhold Kasian bei allen Besuchern, Mitwirkenden und Helfern. Die Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

Kreativität und Gemeinschaftssinn

„Die 2. Welzheimer Römertage am vergangenen Wochenende sind Geschichte und alle, ob Besucher, Mitwirkende oder die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, sprechen von einer erfolgreichen Geschichte.

Es war wieder eine gelungene Veranstaltung, ein Beweis, wie sich mit Kreativität, Gemeinschaftssinn und durch Zusammenarbeit auch etwas Besonderes auf die Beine stellen lässt. Unser Dank gilt allen Besucherinnen und Besuchern, insbesondere aber auch allen, die im Großen oder Kleinen ihren Anteil zum Gelingen der Römertage beigetragen haben. Sie haben den Namen unserer Stadt hervorragend nach außen dargestellt und beste Werbung für Welzheim betrieben.

Herzlichen Dank!“